Samstag, 11. November 2017

Die Sache mit dem Storch...

Nein, das wird jetzt kein Aufklärungspost. Und nein, er erzählt auch nicht von einem Bienchen, das auf einem Blümchen und so weiter... Nochmals nein, ich glaube auch nicht an die Geschichte, dass die lieben Kinderlein vom Storch gebracht und vor den Haustüren dieser Welt in süß bestickten Stofftüchern abgelegt werden.

Ich fand lediglich die Überschrift "Ick bin dann mal wieder schwanger" einfach zu plump.

Denn so ist es: Ich bin wieder schwanger. Nein, ich war schwanger, denn inzwischen liegt dieses zauberhafte Pusteblümchen, welches unter meinem Herzen herangewachsen ist, neben mir auf dem Sofa und knurrt im Schlaf zufrieden vor sich hin. Als ich diesen Post begonnen habe, war mein Bauch zwar schon kugelrund, ich aber noch weit entfernt von dem Abenteuer Dreifachmama. Mir war noch nicht bekannt, was da auf mich zukommen würde und ich hatte in meinem Kopf nur die Hoffnungen und Wünsche an diese bevorstehende neue Zeit.

Und nun?

Nun ist sie da. Diese neue Zeit.

Mein Leben als Mama von drei Kindern. DREI Kinder! Damit zählen wir in der heutigen Gesellschaft schon zu den Großfamilien. Und zum aktuellen Zeitpunkt, also just in diesem Augenblick, fühle ich mich vollkommen. Angekommen. Selig.

Aber beginnen wir von vorn.

***

Im November 2016 zogen wir in eine neue Wohnung. Größer als die vorherige, aber eigentlich zu klein für zwei Erwachsene und zwei Kinder, von denen eines immer wieder mal lautstark ein eigenes Zimmer einforderte. Immer dann, wenn es Knatsch mit dem lieben Brüderlein gab. Himmel, Geschwister sind aber auch echte Nervzwerge. Und so ein kleiner Bruder erstmal...

Tja, zu dumm nur, dass ich mich knapp drei Wochen nach unserem Umzug irgendwie merkwürdig zu fühlen begann. Schlapp, energielos, mit schmerzenden Gliedern und schon fast kränklich. Ich dachte an eine Grippe bzw. daran, dass mich der Umzug, eine kranke Minimadame und die Arbeit erschöpften. Aber dann merkte ich mehr und mehr mir vertraute Zeichen.

Oh oh, da war was im Busch.

Ok, da war was im Bauch. Im Busch raschelt es hier höchstens vor lauter Katzengetier der Nachbarin. Es war definitiv etwas im Anmarsch, das spürte ich. Da ich zu dieser Zeit meinen Körper sehr genau beobachtete, war ich mir auch recht schnell sicher, dass nichts anderes als eine Schwangerschaft der Grund für mein Befinden sein könnte.

Und so kam es, dass ich einen der vorhandenen Schwangerschaftstests machte. Diese kleinen Streifendinger, von denen ich eigentlich nicht viel halte. Der erste Test war auch sehr sehr blass und ich schickte meiner besten Freundin ein Foto. Sie ist nicht einfach nur eine Freundin. Sie ist meine Seelenschwester, meine bessere Hälfte. Sie ist mein zweites Ich und definitiv DIE Person, mit der ich in einer solchen Situation ganz unbedingt reden muss. Ich schickte ihr also dieses eine Foto und so wirklich schlauer waren wir nicht. Sie sah nichts auf dem Bild und ich sah aber etwas auf dem Original in meinen Händen. Ganz schwach. Zartrosa. Ein Hauch von einem Strich.

Da es mir so gar keine Ruhe ließ, ich die Antwort aber eigentlich schon wusste, fuhr ich am Morgen des 10.12.2016 unter einem Vorwand einkaufen und holte einen dieser digitalen mit Wochenanzeige. Toll sind die ja, aber man darf natürlich das Umrechnen nicht vergessen. Ich testete direkt, der werdende Papa wusste noch so rein gar nichts von seinem Glück.

Dann stand es plötzlich da... Schwarz auf Komischmuschelmaschelgrau.


Schwanger.

1-2.

Bedeutet: 3. bis 4. Schwangerschaftswoche (SSW). Also irgendwas ganz am Anfang.

Mir war alles klar. Darum der blasse Strich einen Abend zuvor. Der Grund für all meine Beschwerden und komischen Zipperlein war gefunden, mein Gefühl hatte mich nicht getäuscht. Jetzt musste ich es nur irgendwie allen anderen beibringen. Aber erstmal schrieb ich meiner Seelenschwester eine Nachricht.

Mit diesem wirklich eindeutig positiven Ergebnis in den Händen ging ich zu meinem Mann, um ihn dann auch mal in Kenntnis zu setzen. Im Grunde konnte ich mir seine Reaktion schon ausmalen. Mit einem breiten Grinsen - ja, ich habe bei jedem unserer Kinder gegrinst - stand ich vor ihm, überreichte ihm die frohe Botschaft in Form des Sticks und meinte nur "Da. Guck mal."

"Ach du Sch***e."

Jupp, genau das habe ich erwartet. Schock. Starre. Entgleiste Gesichtszüge. Kurzzeitiger Herzstillstand. Mittelschweres Kammerflimmern. Fehlender Boden unter den Füßen.

Er gab ehrlicherweise zu, dass er diese neue Tatsache auf sich wirken und sacken lassen musste und bat um ein oder zwei Tage "Bedenkzeit". Damit wollte er für sich nicht die Frage klären, ob wir uns dafür oder dagegen entscheiden. Er wollte es verstehen und greifen können. Diese Möglichkeit räumte ich ihm ein und so kam es, dass wir uns zwei Tage später an den Tisch setzten, um uns gemeinsam gedanklich auf unser drittes Wunder vorzubereiten.

Nur wenige Tage nach dem positiven Test musste ich das erste Mal ins Krankenhaus und aufgrund der ganzen Aufregung, der Angst und meiner vielen Sorgen - schließlich war ich vom Minimister und einigen anderen Ereignissen doch schon deutlich vorbelastet - machte ich noch einmal einen Test und durfte glücklicherweise einen Fortschritt ablesen.



Wir wurden also Eltern. Zum dritten Mal. Erneut. Gewohnt und doch völlig fremd. Anders.

Natürlich stellten wir uns auch die Frage, ob es von der Wohnung her reichen würde und im selben Moment war uns bewusst, dass es nicht auf Dauer funktioniert, aber zumindest die nächsten drei Jahre. Ein wenig überkam mich ein schlechtes Gewissen, da wir bei der Besichtigung geäußert hatten, dass keine Kinder mehr geplant sind.

Geplant war sie ja auch nicht, unsere kleine Pusteblume. Ein Überraschungsei. Es sollte eben so sein.

Nach und nach erzählten wir unseren Familien davon, Freunden, ich musste wieder recht zeitig auf der Arbeit Bescheid geben. So nach und nach erfuhren alle von unserem neuen Glück und ich muss gestehen, dass mich einige Reaktionen sehr trafen.

"Seid ihr euch echt sicher, dass ihr es behalten wollt?"
"Drei Kinder ist aber schon eine Hausnummer, oder?"
"Schaft ihr das?"
"Na, ob diesmal alles gut geht?"
"Und alle vom selben Mann?"
"Wie, ihr seid wieder zusammen und dann gleich weider ein Kind?"

Ey, wirklich... Manchmal sollte man dann doch den Mund halten, wenn man nichts zu sagen hat.

Aber ich versuchte, mich nicht von diesen Fragen und Bemerkungen leiten zu lassen und sie abzuschütteln. Denn ich freute mich auf das, was da auf uns zukommen würde. Und was sollte den groß passieren? Wir hatten an Ausstattung so ziemlich alles wichtige im Schuppen zu stehen und der Rest würde sich schon zeigen. Wir ließen es eben einfach auf uns zukommen.

***

Zur Schwangerschaft selbst werde ich in einem weiteren Post schreiben, denn leider lief es diesmal nicht ganz rund und meine Kräfte wurden auf eine sehr harte Probe gestellt. Natürlich möchte ich euch auch meine Rumkugel nicht vorenthalten. Aber dazu später mehr.

***

Nun sitze ich hier auf meinem Sofa, meine drei Kinder neben mir. Und während ich sie so beobachte, macht sich diese Wärme in mir breit. Dieses unglaublich schöne Gefühl.

Vollkommen.

Angekommen.

Selig.

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