Montag, 18. Juli 2016

Herzenssache - Nähen für Sternchen und Frühchen e. V.

Ich nähe.

Wer mich liest, mich - egal auf welcher sozialen Plattform - verfolgt, der weiß das. Ich nähe für Freunde, für meine Blumenkinder, für liebe Menschen.

Ich nähe gern.

Auf Facebook und Instagram habe ich durch Fotos durchsickern lassen, dass ich aber auch für die ganz Kleinen nähe. Für die, die sich in ihr Leben kämpfen müssen. Für die, die den Kampf verlieren oder bereits vor der Geburt verloren haben und still geboren werden. Für die Eltern.

Heute möchte ich euch davon erzählen.

Schon oft habe ich an meinem Laptop gesessen und versucht, mit den passenden Worten das zu beschreiben, was der Verein "Herzenssache - Nähen für Sternchen und Frühchen e. V." leistet. Doch mir fällt es schwer. Sehr schwer. Ich gehöre sonst nicht zu den Menschen, die nach Worten ringen müssen. Dieses Mal ist es allerdings eine echte Herausforderung, den richtigen Ton zu treffen. Zu traurig, obwohl die Ergebnisse so bezaubernd sind? Zu fröhlich, obwohl der Grund so schrecklich schmerzlich ist? ... Den guten Mittelweg zu finden, das gestaltet sich nicht leicht.



Im Februar war ich bei dem ersten Nähtreff für dieses Jahr, bei meinem ersten Nähtreff überhaupt. Ich wusste nicht, was mich dort erwarten würde. Gepackt hatte ich wie für eine Weltreise, einen Umzug, eine nähende Übernahme. Ich schleppte Kisten voller Stoffreste an, meine Nähmaschine und meine Overlock, eine Handtasche, Tüddelzeug... Kurzum: Ich sah aus, als wolle ich meine wichtigsten Habseligkeiten in Sicherheit bringen.

Und dann kam ich an, traf auf lauter nette Frauen, die mich herzlich begrüßten. Man kam sofort ins Gespräch - was bei meinem Schnatterwerk ohnehin nicht schwer ist - tauschte sich über diese eine große Liebe zum Nähen aus, die uns an diesem Abend begleiten sollte. Aber auch jene, die nichts mit Nadel und Faden, Stoff und Schnitt am Hut hatten, kamen an diesem Abend auf ihre Kosten. Sie stopften aus, klapperten mit den Häkel- oder Stricknadeln und packten gigantische Pakete zusammen.

Auf diesem Nähtreff erst wurde mir das ganze Ausmaß der Arbeit bewusst. Die Wichtigkeit und Notwendigkeit. "Herzenssache - Nähen für Sternchen und Frühchen e. V." sagt ja schon einiges aus: Es wird genäht, für die Kleinsten der Kleinen. Für die, die es wirklich nötig haben, weil die Industrie in den winzigen Größen nichts anfertigt oder weil das Sternenkind auf seiner letzten Reise einfach mehr als eine simple Stoffwindel tragen soll. Farbe in den grauen Klinikalltag bringen, den Eltern Hoffnung und Freude schenken, ein gutes Gefühl vermitteln. Oder aber einen würdevollen Abschied ermöglichen, eingehüllt in Stoffe mit kindgerechten Motiven. Alles in Handarbeit gefertigt, mit viel Liebe in jeder einzelnen Naht.

Winzig. Winziger. Wirklich klein.
Es war für mich unvorstellbar, wie klein die Mützen sind.

Die Stimmung war toll und es machte Spaß, in einer großen Gruppe zu nähen. Man konnte sich austauschen und die gegenseitige Hilfe packte mich sofort.










Die Ergebnisse waren atemberaubend. Unter den ganzen Sachen befindet sich ein Klavier, das zu Beginn des Abends noch vollkommen leer war. Innerhalb kürzester Zeit war davon nichts mehr zu sehen. Es war über und über mit tollen Unikaten, ein Teil schöner als das andere.

Einschlagdecken für Sternenkinder

Strampler für Frühchen

Hosen, Kuscheldecken, Schnullerketten, Einschlagdecken...

Nahaufnahme Hosen für Frühchen und Schnullerketten

Die fertigen Sachen wurden dann verpackt und an die Kliniken verschickt, die dringend die Sachen benötigen.



So ein Paket platzt schnell mal aus allen Nähten.

Ich bin aber nicht nur bei solchen Treffen, sondern versuche auch zuhause etwas zu nähen. Das klappte bisher eher schlecht als recht, aber so langsam konnte ich mir Raum dafür schaffen und so hüpfte schon die ein oder andere Hose von meiner Overlock.

Schon irre:
Die Beinlänge entspricht der Größe eines Kugelschreibers.

15 cm, sehr viel Bündchen kommt nicht dazu.


Die Stoffschere zum Vergleich.

Irgendwann wurde ich auf eine Auktion zu Gunsten des Vereins aufmerksam gemacht und für mich stand sofort fest, dass ich dieses tolle Vorhaben unterstützen werde. Ich entschied mich für eine Tasche für Mama und ein Set für Kinder (bestehend aus einer Mütze und einer Hose), welche beide nach Wunsch angefertigt werden sollten. Also stellte ich Bilder mit Designbeispielen für die Veröffentlichung zur Verfügung und harrte der Dinge, die da kommen würden. Anfangs hatte ich ein mulmiges Gefühl. Mein Startgebot legte ich für beide Sachen auf 15 Euro inklusive versichertem Versand fest. Da ich aber schon oft die Erfahrung gemachte hatte, dass die Preise als zu hoch angesehen wurde, zitterte ich ein wenig. Und dann passierte das, womit ich im Leben nicht gerechnet hätte. Die beiden Artikel wurden ersteigert. Mit Geboten, die mir regelrecht die Schuhe auszogen. Ja, von dem Geld sehe ich nichts. Aber dieses Gefühl, dass die Arbeit geschätzt wird und sich Leute dafür begeistern, was ich tue... Ich könnte schon wieder vor Freude heulen. Umso schöner war die Anfertigung der Wünsche und ich steckte in jeden einzelnen Nadelstich so viel Liebe und Sorgfalt, dass ich vor Stolz fast geplatzt wäre,






Ein weiteres tolles Event war das Open-Air-Nähen. Das war echt der Wahnsinn. Mir taten abends so dermaßen die Füße weh und von all dem Input hatte ich etwas Kopfbrummen. Aber so sehr dieser Tag erschöpfte, so sehr setzte er auch Emotionen frei, die ich bisher nicht kannte. Ich hatte das erste Mal die wunderschönen Taufaufleger und Taufkleidchen in den Händen. Diese werden aus gespendeten Brautkleidern genäht und ich hätte mich nicht entscheiden können, welches das schönste war. Der Anblick ließ mir die Tränen in die Augen steigen und einen Kloß in meinem Hals wachsen. Mich überkam eine Gänsehaut und ein Gefühl der tiefsten Dankbarkeit, dass meine Blumenkinder gesund und munter das Licht der Welt erblickten. Da abends noch ein Vereinsgrillen stattfand, kam ich erst mitten in der Nacht heim. Aber ich ließ es mir nicht nehmen, das Hochbett zu erklimmen, der Minimadame und dem Minimister einen Kuss auf die Stirn zu geben und sie zu bewundern. Ich fühlte mich so geerdet und von allen hohen Pferden gestoßen, im positiven Sinne.

Auch von dem Open-Air-Nähen gibt es Bilder, die ich euch nicht vorenthalten möchte.


Die "Packstation" und "Bündchenverteilung"


Irgendwann war der linke Tisch nicht mehr zu sehen,
so voll war er.





Ich durfte sogar einen Artikel verfassen,
der wortwörtlich abgedruckt wurde.
Auch das Foto stammt von mir.
Das macht schon stolz *grins*

Viele Eindrücke von einem wundervollen Verein, der noch wundervollere Arbeit leistet. So viele liebe Frauen, die sich mit ihrem Handmade-Talent einer Aufgabe verschrieben haben, die zwar ordentlich ans Herz geht, aber auch ein unglaubliches Glücksgefühl auslöst. Ich habe bereits mehrere Mädels ganz fest ins Herz geschlossen und bin unglaublich froh, ein Teil dieser Gruppe sein zu dürfen.

Ich hoffe, dass ich euch einen kleinen Einblick verschaffen konnte. Es wird auch künftig immer wieder Posts zu "Herzenssache - Nähen für Sternchen und Frühchen e. V." geben. Sie werden mir dann vielleicht auch leichter fallen als dieser erste. Denn an dem habe ich jetzt satte fünf Monate gesessen, weshalb er inzwischen auch vor Bildern platzt.

Habt einen schönen Abend.

Kommentare:

  1. Liebes Wunderblümchen,
    Dankeschön!

    Du sprichst mir aus dem Herzen.
    Ich bin froh, dass es die Mädels der Herzenssache �� in meinem Leben gibt und ich ein Teil von ihnen sein darf.
    Liebe Grüße Marlis ��

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  2. Hallo Nadine,
    heute bin ich bei dir gestrandet und natürlich hat es mir dein Bericht über Herzenssache ganz besonders angetan. Auch mich hat es seit dem Open-Air-nähen in Bernau infisziert und der Nähtreff in Schönwalde "gab mir den Rest" im positiven Sinne. Auch ich werde mich (so oft es mir möglich ist) den Kleinsten widmen. Es ist so schön zu helfen, zu sehen wie Farbe in das Leben der Winzlinge kommt und wie sogar einer Nottaufe etwas positives ab zu gewinnen ist mit diesen entzückenden Auflegern aus den gespendeten Braut- oder Ballkleidern.
    Danke dir und all den Näh-Häkel-Bastel und Strickbienen.
    Liebe Grüße Annette

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