Sonntag, 24. Juli 2016

Der neue Held meines Näheckchens

In dem Post "Das Reich der Wunderblume" habe ich euch vor fast zwei Jahren mein Nähzimmer gezeigt. Auf großzügigen 25 qm konnte ich mir genügend Platz für den Kleinkram und alle Arbeitsutensilien einrichten. Es war nicht optimal (im Nachhinein würde ich einiges anders machen), aber ich fand es schön und fühlte mich wohl. Durch den Umzug im vergangenen Jahr habe ich den Luxus eines eigenen Arbeitszimmers verloren. Es war sehr gewöhnungsbedürftig und ich brauchte lange, bis ich meine optimale Lösung fand. Meine jetzige Fläche beschränkt sich auf eine Ecke im eigentlichen Schlafzimmer. Obwohl es mehr einem Nähzimmer mit Schlaffunktion und zwei Kleiderschränken der Blumenkinder gleicht. Zur Gestaltung des Raumes wird es die nächsten Tage aber noch einen gesonderten Post geben, da sich dort wohl am meisten getan hat.

Jetzt möchte ich euch aber erstmal meinen Nähberech zeigen, denn am Freitag hat sich ein - für mich absolut gigantischer - Wunsch erfüllt: Ich bekam einen Zuschneidetisch. Wie dieser gebaut wurde, welche Teile ihr dafür braucht... Das erfahrt ihr jetzt.

Das war die Ausgangssituation:

Zur Entstehung dieser Ecke schreibe ich noch einen eigenen Beitrag.

In fast jeder Wohnung gibt es irgendwo ein "Kallax"-Regal vom weltbekannten Möbelschweden. Oder ein "Expedit", wie die Reihe früher hieß. In meiner Wohnung befinden sich allein zwei "Expedit" und fünf "Kallax", früher besaß ich auch noch drei große "Expedit". Ich liebe sie einfach.

Aus den 2x2-Würfeln lässt sich ganz hervorragend ein Zuschneidetisch bauen.

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Folgende Materialien braucht ihr für den Tisch:

zwei "Kallax"-Regale für je 24,99 Euro
zweimal Rollen "Rill" mit Bremse für je 9,99 Euro (in einer Packung sind zwei Rollen enthalten)
zwei "Bygel"-Stangen für je 1,99 Euro
Bein "Capita", Höhe 8 cm, für 9,00 Euro (in einer Packung sind vier Beine enthalten)
Holzplatte mit den Maßen 78 cm x 76,5 cm aus dem Baumarkt für unter 10,00 Euro
passende Schrauben (im Haushalt vorhanden)
Verbindungsstücke (Baumarkt und von Papa)

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Die beiden Regale wurden miteinander verbunden. Das funktioniert nicht ohne Lücke, da bei dem "Kallax" die obere und untere Platte etwas überstehen und die Seitenwände somit nicht aneinander stoßen. Solltet ihr also einen Schlitz wie auf dem unteren Bild haben, dann müsst ihr nicht wieder alles zerlegen und von vorn beginnen. Die Verbindungsplättchen haben wir - ja, ich hatte Hilfe bei dem Projekt - an den Innenseiten der Regale befestigt, so sind sie nicht mehr zu sehen oder fallen zumindest nicht sofort ins Auge. Am Ende war die Konstruktion komplett fest, die Regale ließen sich nicht mehr verschieben bzw. bewegen.


Im nächsten Schritt haben wir den entstandenen Würfel vorsichtig umgedreht und an der Unterseite die Rollen befestigt. Das ließ sich einfach mit einem Akkuschrauber ohne lästiges Vorbohren machen.




Nach den Rollen befestigten wir die beiden Stangen, wovon eine als Griff zum Bewegen funktioniert. Die andere bietet noch ein wenig Stauraum für Kleinzeug. Selbstverständlich eignen sich auch andere Stangen dafür.


Im finalen Schritt ging es an die Platte. Dafür zogen wir die Füße auseinander und befestigten das untere Stück auf den Regalen. Das obere Stück wurde an die Platte geschraubt und so konnte am Ende alles aufeinander gesteckt werden.


Hier und da fehlt es noch an ein paar Kleinigkeiten. Ich möchte zum Beispiel noch die Kanten bekleben, ein Maßband auf der Platte befestigen, eine Schneidematte und ein Rollschneider sollen auch ihren festen Platz finden.

Nach getaner Arbeit konnte ich meine Habseligkeiten verstauen.




Er passt perfekt in die Ecke neben meinem Schreibtisch.


Heute konnte ich dann das erste Mal daran arbeiten. Es macht so viel Spaß und es tut gut, auch im Stehen etwas machen zu können. Auf ausreichend Platz, ohne ständig die Maschinen vom Tisch räumen zu müssen. Für mich hat der Tisch die perfekte Höhe. Wenn ihr euch auch einen Zuschneidetisch bauen wollt, dann müsst ihr vorher die richtige Arbeitshöhe ausmessen. Dabei muss darauf geachtet werden, dass die Arme im rechten Winkel auf der Platte liegen können. Ihr solltet euch nicht beugen oder strecken müssen.


Mein kleiner und feiner Zuschneidetisch... Mein ganzer Stolz - neben meinen Maschinen *grins*. Ich werde mich nun wieder an meine Nähemma setzen und ein wenig werkeln. Euch wünsche ich einen schönen Sonntag.


Nachtrag: Die Preise und Bezeichnungen der oben genannten Artikel entsprechen dem Stand 07/2016 und können sich mit der Zeit verändern.

Montag, 18. Juli 2016

Herzenssache - Nähen für Sternchen und Frühchen e. V.

Ich nähe.

Wer mich liest, mich - egal auf welcher sozialen Plattform - verfolgt, der weiß das. Ich nähe für Freunde, für meine Blumenkinder, für liebe Menschen.

Ich nähe gern.

Auf Facebook und Instagram habe ich durch Fotos durchsickern lassen, dass ich aber auch für die ganz Kleinen nähe. Für die, die sich in ihr Leben kämpfen müssen. Für die, die den Kampf verlieren oder bereits vor der Geburt verloren haben und still geboren werden. Für die Eltern.

Heute möchte ich euch davon erzählen.

Schon oft habe ich an meinem Laptop gesessen und versucht, mit den passenden Worten das zu beschreiben, was der Verein "Herzenssache - Nähen für Sternchen und Frühchen e. V." leistet. Doch mir fällt es schwer. Sehr schwer. Ich gehöre sonst nicht zu den Menschen, die nach Worten ringen müssen. Dieses Mal ist es allerdings eine echte Herausforderung, den richtigen Ton zu treffen. Zu traurig, obwohl die Ergebnisse so bezaubernd sind? Zu fröhlich, obwohl der Grund so schrecklich schmerzlich ist? ... Den guten Mittelweg zu finden, das gestaltet sich nicht leicht.



Im Februar war ich bei dem ersten Nähtreff für dieses Jahr, bei meinem ersten Nähtreff überhaupt. Ich wusste nicht, was mich dort erwarten würde. Gepackt hatte ich wie für eine Weltreise, einen Umzug, eine nähende Übernahme. Ich schleppte Kisten voller Stoffreste an, meine Nähmaschine und meine Overlock, eine Handtasche, Tüddelzeug... Kurzum: Ich sah aus, als wolle ich meine wichtigsten Habseligkeiten in Sicherheit bringen.

Und dann kam ich an, traf auf lauter nette Frauen, die mich herzlich begrüßten. Man kam sofort ins Gespräch - was bei meinem Schnatterwerk ohnehin nicht schwer ist - tauschte sich über diese eine große Liebe zum Nähen aus, die uns an diesem Abend begleiten sollte. Aber auch jene, die nichts mit Nadel und Faden, Stoff und Schnitt am Hut hatten, kamen an diesem Abend auf ihre Kosten. Sie stopften aus, klapperten mit den Häkel- oder Stricknadeln und packten gigantische Pakete zusammen.

Auf diesem Nähtreff erst wurde mir das ganze Ausmaß der Arbeit bewusst. Die Wichtigkeit und Notwendigkeit. "Herzenssache - Nähen für Sternchen und Frühchen e. V." sagt ja schon einiges aus: Es wird genäht, für die Kleinsten der Kleinen. Für die, die es wirklich nötig haben, weil die Industrie in den winzigen Größen nichts anfertigt oder weil das Sternenkind auf seiner letzten Reise einfach mehr als eine simple Stoffwindel tragen soll. Farbe in den grauen Klinikalltag bringen, den Eltern Hoffnung und Freude schenken, ein gutes Gefühl vermitteln. Oder aber einen würdevollen Abschied ermöglichen, eingehüllt in Stoffe mit kindgerechten Motiven. Alles in Handarbeit gefertigt, mit viel Liebe in jeder einzelnen Naht.

Winzig. Winziger. Wirklich klein.
Es war für mich unvorstellbar, wie klein die Mützen sind.

Die Stimmung war toll und es machte Spaß, in einer großen Gruppe zu nähen. Man konnte sich austauschen und die gegenseitige Hilfe packte mich sofort.










Die Ergebnisse waren atemberaubend. Unter den ganzen Sachen befindet sich ein Klavier, das zu Beginn des Abends noch vollkommen leer war. Innerhalb kürzester Zeit war davon nichts mehr zu sehen. Es war über und über mit tollen Unikaten, ein Teil schöner als das andere.

Einschlagdecken für Sternenkinder

Strampler für Frühchen

Hosen, Kuscheldecken, Schnullerketten, Einschlagdecken...

Nahaufnahme Hosen für Frühchen und Schnullerketten

Die fertigen Sachen wurden dann verpackt und an die Kliniken verschickt, die dringend die Sachen benötigen.



So ein Paket platzt schnell mal aus allen Nähten.

Ich bin aber nicht nur bei solchen Treffen, sondern versuche auch zuhause etwas zu nähen. Das klappte bisher eher schlecht als recht, aber so langsam konnte ich mir Raum dafür schaffen und so hüpfte schon die ein oder andere Hose von meiner Overlock.

Schon irre:
Die Beinlänge entspricht der Größe eines Kugelschreibers.

15 cm, sehr viel Bündchen kommt nicht dazu.


Die Stoffschere zum Vergleich.

Irgendwann wurde ich auf eine Auktion zu Gunsten des Vereins aufmerksam gemacht und für mich stand sofort fest, dass ich dieses tolle Vorhaben unterstützen werde. Ich entschied mich für eine Tasche für Mama und ein Set für Kinder (bestehend aus einer Mütze und einer Hose), welche beide nach Wunsch angefertigt werden sollten. Also stellte ich Bilder mit Designbeispielen für die Veröffentlichung zur Verfügung und harrte der Dinge, die da kommen würden. Anfangs hatte ich ein mulmiges Gefühl. Mein Startgebot legte ich für beide Sachen auf 15 Euro inklusive versichertem Versand fest. Da ich aber schon oft die Erfahrung gemachte hatte, dass die Preise als zu hoch angesehen wurde, zitterte ich ein wenig. Und dann passierte das, womit ich im Leben nicht gerechnet hätte. Die beiden Artikel wurden ersteigert. Mit Geboten, die mir regelrecht die Schuhe auszogen. Ja, von dem Geld sehe ich nichts. Aber dieses Gefühl, dass die Arbeit geschätzt wird und sich Leute dafür begeistern, was ich tue... Ich könnte schon wieder vor Freude heulen. Umso schöner war die Anfertigung der Wünsche und ich steckte in jeden einzelnen Nadelstich so viel Liebe und Sorgfalt, dass ich vor Stolz fast geplatzt wäre,






Ein weiteres tolles Event war das Open-Air-Nähen. Das war echt der Wahnsinn. Mir taten abends so dermaßen die Füße weh und von all dem Input hatte ich etwas Kopfbrummen. Aber so sehr dieser Tag erschöpfte, so sehr setzte er auch Emotionen frei, die ich bisher nicht kannte. Ich hatte das erste Mal die wunderschönen Taufaufleger und Taufkleidchen in den Händen. Diese werden aus gespendeten Brautkleidern genäht und ich hätte mich nicht entscheiden können, welches das schönste war. Der Anblick ließ mir die Tränen in die Augen steigen und einen Kloß in meinem Hals wachsen. Mich überkam eine Gänsehaut und ein Gefühl der tiefsten Dankbarkeit, dass meine Blumenkinder gesund und munter das Licht der Welt erblickten. Da abends noch ein Vereinsgrillen stattfand, kam ich erst mitten in der Nacht heim. Aber ich ließ es mir nicht nehmen, das Hochbett zu erklimmen, der Minimadame und dem Minimister einen Kuss auf die Stirn zu geben und sie zu bewundern. Ich fühlte mich so geerdet und von allen hohen Pferden gestoßen, im positiven Sinne.

Auch von dem Open-Air-Nähen gibt es Bilder, die ich euch nicht vorenthalten möchte.


Die "Packstation" und "Bündchenverteilung"


Irgendwann war der linke Tisch nicht mehr zu sehen,
so voll war er.





Ich durfte sogar einen Artikel verfassen,
der wortwörtlich abgedruckt wurde.
Auch das Foto stammt von mir.
Das macht schon stolz *grins*

Viele Eindrücke von einem wundervollen Verein, der noch wundervollere Arbeit leistet. So viele liebe Frauen, die sich mit ihrem Handmade-Talent einer Aufgabe verschrieben haben, die zwar ordentlich ans Herz geht, aber auch ein unglaubliches Glücksgefühl auslöst. Ich habe bereits mehrere Mädels ganz fest ins Herz geschlossen und bin unglaublich froh, ein Teil dieser Gruppe sein zu dürfen.

Ich hoffe, dass ich euch einen kleinen Einblick verschaffen konnte. Es wird auch künftig immer wieder Posts zu "Herzenssache - Nähen für Sternchen und Frühchen e. V." geben. Sie werden mir dann vielleicht auch leichter fallen als dieser erste. Denn an dem habe ich jetzt satte fünf Monate gesessen, weshalb er inzwischen auch vor Bildern platzt.

Habt einen schönen Abend.