Freitag, 29. Januar 2016

Wenn der Körper streikt

Ich bin diese Woche über einen sehr interessanten, ehrlichen und offenen Post gestolpert. Er beschreibt ein Thema, das mich ebenfalls betrifft, worüber ich aber bisher kaum gesprochen habe. Jedenfalls nicht in dem Ausmaß, dass sich alle ein vernünftiges Bild machen konnten.

Sarah hat auf ihrem Blog Fashion-Library darüber geschrieben, wie Gedanken und Empfindungen sie krank machten. Beim Lesen erkannte ich doch einiges von mir, nur hänge ich noch irgendwie in der Endlosschleife fest.

Was passiert, wenn Gedanken und Empfindungen krank machen? Wie äußert sich das?

Bei mir schlägt sich Stress, Aufregung, Kummer extrem auf den Magen um und äußert sich in heftigen Schüben, die einem Magen-Darm-Infekt gleichen. Ich vertrage dann keinerlei Essen, keine zuckerhaltigen Getränke, bin durch die mangelnde Energiezufuhr kraftlos und platt. Mein Körper kämpft mit Übelkeit, Schmerzen, die Muskeln verkrampfen sich und ist ein Schub vorbei, könnte ich in den Dornröschenschlaf fallen. Mein Leben ist dadurch so sehr beeinträchtigt, dass ich Tagesausflüge oder Reisen nicht ohne einen Tablettenvorrat in der Handtasche antrete.

Schon früh begannen diese Probleme, mit den Jahren und all dem Erlebten wurde es jedoch immer schlimmer. Irgendwann stand die Diagnose Reizdarm/Reizmagen im Raum und immer wieder fiel das Wort "psychosomatisch". Sollte wirklich alles nur Kopfsache sein?

Eine Psychosomatose ist dabei nicht mit Einbildung zu verwechseln. Der Körper wird durch starke seelische Belastung wirklich krank. So ist beispielsweise meine Magenschleimhaut in akuten Situationen entzündet und der Körper im wahrsten Sinne sauer, was sich auch durch heftiges Sodbrennen aufgrund der hohen Magensäure äußert. Die Symptome sind wirklich da und keine Hirngespinste.

Leider wird man oft belächelt, wenn man ansatzweise darüber spricht. Dann heißt es schnell, dass man nicht belastbar ist, andere doch schließlich auch Probleme haben und nicht krank werden. Man solle sich nicht so haben, müsse sich mal am Riemen reißen und solle nicht übertreiben.

FALSCH!

Habe ich einen der Schübe, dann quäle ich mich sogar zur Arbeit, obwohl ich wirklich krank bin. Immer mit dem Wissen, dass ich nichts essen kann und ausschließlich ungesüßten Tee trinken darf. Ich bleibe nur noch zuhause, wenn es wirklich gar nicht mehr geht. Und selbst dann kann sich mein Zustand nicht verbessern, weil mich das schlechte Gewissen gegenüber der Arbeitsstelle weiter stresst. Begegne ich Menschen und diese bekommen - wodurch auch immer - mit, dass ich Probleme mit dem Magen habe, dann wird oft panisch reagiert, ich solle sie ja nicht anstecken. Keine Sorge, die Symptome sind nicht durch Viren oder Bakterien verursacht.

Warum aber stressen mich Dinge so?

Ich bin ehrlich: Ich habe nicht den geringsten Schimmer. Wenn ich wüsste, warum ich so darauf reagiere, dann hätte ich dieses Problem vermutlich nicht mehr. Denn dann hätte ich ja DIE Lösung, wie ich eben nicht mehr auf Stress, Emotionen, Situationen reagiere.

Was kann ich dagegen tun? Wie kann man diese Erkrankung beherrschen?

Die Ernährung umstellen. Das ist definitiv einer der wichtigsten Punkte, die ich angehen muss. Dies gilt allerdings nur für mich und ist kein allgemeines Rezept. Ich weiß zum Beispiel, dass ich besonders stark auf fettes Essen reagiere, während eines Schubes auf Zucker, starke Gewürze, Schärfe. All das muss ich vermeiden bzw. reduzieren. In den vergangenen Wochen hatte ich wieder eine Magen- und eine Darmspiegelung, um die organische Seite kontrollieren zu lassen. Das Gewebe ist derzeit in Ordnung, also wird aktuell die ein oder andere Unverträglichkeit geprüft. Lactose, Gluten, Fructose. Ich reagiere seit Jahren extrem auf Paprika, Banane, Kiwi, Tomaten. Seit den Schwangerschaften kann ich immerhin wieder Äpfel essen. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sehr ich den Biss in eine Banane vermisse. Immer dunkler erinnere ich mich an den Geschmack...

Neben der Ernährung ist die allgemeine Lebensführung ein ganz wichtiger Aspekt, den man genau beleuchten sollte. Aktuell bin ich dabei, mehrere Punkte zu beobachten und aufzuschreiben, wann ich worauf wie reagiere. Welche Situationen stressen mich besonders? Wann äußern sich welche Beschwerden? Was genau stresst mich in diesen Momenten? Was entspannt mich? So kann ich besser koordinieren, wie ich mir Entspannung und Entlastung verschaffen kann.

Stress vermeiden. Innerlich lache ich mich gerade schlapp. Mit zwei Kindern, einem Job, all den Aufgaben des Alltags, ist es alles andere als leicht, Stress zu vermeiden. Aber ich darf eben einfach gewisse Dinge nicht mehr so dicht an mich heran lassen. Was definitiv einfacher gesagt ist, als es sich dann am Ende umsetzen lässt. Wer mich kennt, der weiß, wie emotional ich bin und wie sehr ich diese Emotionen auch lebe. Begeistert mich etwas, dann gehe ich voll und ganz darin auf. Negatives wirft mich aus der Bahn. Wie soll man das ändern? Emotionen lassen sich ja nicht einfach abstellen.

Wie gehe ich künftig damit um?

Ich werde definitiv offener darüber reden. Niemand soll mehr denken, dass ich simuliere oder zu Übertreibung neige, Aufmerksamkeit will oder einfach nur dumm rumhänge. Ich möchte aufklären, auch auf die Gefahr hin, dass mich Menschen mit den eben genannten Vorurteilen abstempeln. Dann ist es so, denen kann ich dann auch nicht mehr helfen. Aber ich habe es dann immerhin versucht.

Für mich versuche ich, mein Leben neu zu ordnen, auch wenn ich aktuell noch keinen wirklichen Plan habe, wie ich das tun soll bzw. wo ich am besten anfange. Ich werde nach und nach die Punkte aus meinem Leben streichen, die mich stressen und somit krank machen. Denn eine Psychosomatose wird man nicht mehr los, sie begleitet einen ein Leben lang. Man kann sich in den Griff bekommen und sich nicht mehr von ihr beherrschen lassen. Aber sie kann einen ebenso gut immer wieder einholen. Dessen bin ich mir bewusst. Und ich kann nur hoffen, dass meine Familie und Freunde mich auch weiterhin so toll unterstützen, wenn ich einen Schub habe. Dass sie weiterhin so verständnisvoll reagieren und damit all die Menschen wettmachen, die mir mit Vorurteilen, Verachtung und unüberlegten Sprüchen entgegen stehen.

Was ich mir wünsche?

Dass es mir irgendwann so geht, dass ich sagen kann "Jetzt ist alles gut". Ich wünsche mir, dass die Gesellschaft für dieses Thema sensibilisiert wird, dass Aufklärung betrieben wird. Dass man darauf hinweist, dass Betroffene eben nicht psychisch gestörte Simulanten sind, die nach Aufmerksamkeit gieren.

Ich beneide jeden, der stressresistenter ist und wünsche niemandem diese Symptome. Manchmal muss ich schmunzeln, wenn Freunde über einen Magen-Darm-Infekt klagen. Denn ich weiß, wie schlecht es einem dann geht. Schließlich habe ich oft mehrmals monatlich oder über mehrere Wochen damit zu tun. Und ich weiß, dass einige von denen, die mir bisher kopfschüttelnd begegnet sind, einer derartigen dauerhaften Belastung nicht standhalten würden.

***

Dieser Post ist einer von denen, die mir sehr am Herzen liegen, sehr intim sind. Mit Sicherheit wird es einige geben, die sich fragen, warum ich so viel von mir preisgebe. Ganz einfach: Ich finde, dass man ruhig auch über solche Themen reden oder schreiben sollte. Und ich weiß, dass es mindestens einen Leser gibt, der jetzt vor diesem Post sitzt und sich in meinen Worten erkennt, dankbar für die Zeilen.

Ich wünsche euch noch einen wundervollen Abend und ein stressfreies, gesundes, glückliches Wochenende.

Samstag, 16. Januar 2016

Warum blogge ich?

Diese Frage stelle ich mir sehr oft.

Warum blogge ich eigentlich und was möchte ich mit meinem Blog erreichen?

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Mit dem Schreiben begann ich lange vor dem Bloggen. Ich schrieb seit ich schreiben konnte. Zig Tagebücher tummelten sich in meinen Schubläden - leider hat keines die Jahre überlebt. In der späteren Schulzeit war ich dann Mitglied in einer Arbeitsgemeinschaft, die sich nach und nach zu einer tollen Gruppe entwickelte und mit dem Schreiben beschäftigte. Wir veröffentlichten sogar ein Buch, hielten Lesungen und trafen uns jeden Freitag in einem Café. Während meiner Ausbildung verlief sich leider der Kontakt zu den Mädels.

Ich erinnere mich an den ersten Computer in unserer Familie, ein Geschenk meines Onkels. Er hatte noch einen schwarzen Hintergrund und orangefarbene Schrift, also wirklich ein absolutes Uraltding. Aber mit ihm konnte ich schreiben, endlich so, wie die Worte aus meinem Kopf durch die Finger auf die Tasten flossen. Es war dadurch um so vieles einfacher. Mit diesem Computer entstanden meine ersten Geschichten, kleine Bücher mit wenigen Kapiteln. Schnulzige Teenager-Storys, die aber doch immer meine eigenen Emotionen widerspiegelten.

Generell ging es in meinen Geschichten, Gedichten und Texten schon immer um meine ganz persönlichen Empfindungen, aus denen ich nie ein Geheimnis machte. Warum? Für mich war - und ist es auch noch heute - es eine großartige Form der Therapie und Selbstheilung. Ich war als Kind bzw. Teenager nicht in der Lage, meine tiefsten Gefühle, Probleme und Sorgen mit jemandem zu besprechen. Dafür war ich schon immer recht wortgewandt mit dem Füller und zauberte viel lieber mit Sätzen eine funktionierende und heile Welt, in der meine Ängste keinen Platz hatten. Heute schreibe ich, weil ich meine Erlebnisse und Empfindungen mit anderen Menschen teilen möchte. Ich möchte all denen aus der Seele sprechen, die sich nicht trauen, über die negativen Seiten des Lebens zu berichten. Klar, jeder kann über eine heile Welt mit Sonnenschein, Katalogwohnungen, perfekten Männern und noch perfekteren Kindern, Glitzer pupsenden Einhörnern und dem schillernden Regenbogen am Ende der Karriereleiter schreiben. Aber in welchem normalen Leben läuft alles wie geleckt? In meinem nicht. Und ich kenne mehr als genug Menschen in meinem Umfeld, die ebenfalls zu tun haben und sich einigen, wirklich schweren, Aufgaben stellen müssen.

Mit Sicherheit trifft nicht jeder meine Wahl. Aber da ist eben auch der Knackpunkt: Es ist MEINE Wahl. Ich gehe diesen Weg, ich bin ihn schon immer gegangen. Ich bin mir bewusst, dass ich nicht bei jedem auf offene Ohren stoße, aber die bisherige Resonanz war überwiegend positiv. Oft habe ich gelesen 'Mir geht es genau so' oder 'Danke, dass du darüber schreibst.' Ich möchte mit meinen Posts weder auf Tränendrüsen drücken, noch Mitleid erregen oder mich in den Mittelpunkt drängen. Dieses Feld überlasse ich gern anderen Menschen, ich schwitze im Rampenlicht viel zu schnell *hust*

Also... Warum schreibe ich?

Weil ICH es möchte. Weil ICH es brauche. Nicht um anderen zu gefallen oder mich in irgendeiner Art und Weise zu profilieren. Nein! Es ist einfach MEINE Form der Selbsttherapie. Ich schreibe, weil ich es liebe, mit Worten zu jonglieren und Emotionen beim Lesen hervor zu kitzeln, die sonst verborgen bleiben. Ich schreibe, weil ich beim Schreiben in eine andere Welt tauche. Mit meinen Kopfhörern auf den Ohren. Ich schreibe, weil ich so für einen Moment dem Alltag entfliehen kann, Kraft tanke, neue Energie für all die großen und kleinen Aufgaben finde. Ich schreibe, weil...

...weil ich es will.

Im Grunde ist es wie mit jedem anderen Hobby, wie mit jeder Leidenschaft. Ich liebe das Schreiben, das Nähen, all die kreativen und schönen Dinge dieser Welt. Andere finden in Autos, Formeln, Werkzeugen, Angeln oder worin auch immer ihre Erfüllung, Ablenkung, ihren Ausgleich.

Ich schreibe.

Ich.