Donnerstag, 14. August 2014

Irgendwo im Nirgendwo - Ohne Netz und doppelten Boden

Kennt ihr diese verkrampften Überlegungen wegen eines Geburtstages? Was schenkt man, wenn bereits alles vorhanden ist? Also leicht ist definitiv anders.

Im April dieses Jahres feierte unsere liebe Mama einen runden Geburtstag und wir Kinder schenkten ein Familienwochenende in Drei Eichen. Da ich noch nie dort war, hatte ich mir den Ort des Geschehens damals im Internet angeschaut und ich muss sagen, dass es recht gut und idyllisch wirkte.

Vom 25.07. bis 27.07. war es dann soweit. Für mich gab es ein ganz besonderes Highlight: Der Lieblingsmann konnte das erste Mal zu so einem Familienausflug mitkommen. An einem Wochenende! Ich organisierte Lebensmittel, legte die Sachen zurecht und verstaute sie in Vakuumtaschen. Ich liebe diese Dinger. Ein 50 cm großer Haufen wird zu mickrigen 5 cm zusammen "geschmolzen". Trotzdem wurde ich das Gefühl nicht los, dass wir für 2 1/2 Tage eindeutig zu viel Gepäck hatten. Aber ok, für alle Eventualitäten wappnen und so...

Am Freitag starteten wir erstmal eine Tour durch unser kleines Städtchen, da wir zu meinen Eltern und meiner Schwester wollten. Gemeinsam ging es dann zum Ferienlager, wo unsere kleine Schwester wartete. Von dort aus fuhren wir in Richtung Drei Eichen. Am Ende waren wir gute 3 1/2 Stunden unterwegs. Für unser neues Auto die erste große Tour.

Irgendwann landeten wir jedenfalls mitten in der Buschanei. Was ab diesem Zeitpunkt passierte, werde ich in der Ich-Form beschreiben, denn es ist allein meine Wahrnehmung, die ich wiedergeben möchte.


Ich betrat also den Hof und ich muss ehrlich gestehen, dass mich ein Schlag traf. Der erste Blick fiel sofort auf eine Baustelle, nicht wirklich gesichert. Es sah auch eher danach aus, als würde dort nicht viel passieren. Aber nicht etwa aufgrund des Wochenendes. Viel mehr tickten die Uhren dort einfach anders.

Wir erfuhren auch sofort, dass für den Freitag ein kleiner Markt, abends ein Irish Folk-Konzert und das ganze Wochenende ein Clowns-Seminar stattfinden sollte. Der Markt war klasse. Das Konzert war so kurz, dass wir es komplett verpassten. Das Seminar... Leute, das war eine Welt für sich. Lachen ist gesund, das ist eine Sache. Aber sich vor der versammelten Gemeinschaft zum absoluten Deppen zumachen, das ist dann doch wieder etwas ganz anderes. Zumal uns das gesamte Wochenende der Sinn eines solchen Seminares verborgen blieb. Wir hörten nur immer wieder durch die geöffneten Fenster "Haaaaaaaaaaa! Hooooooooo!" oder "Jaaaaa, genaaaaaaauuuuuu!!!" Was auch immer sie mit diesen - mehr gestöhnten als gesprochenen oder gelachten - Worten sagen wollten... Ich weiß es bis heute nicht.

Wir durften aufgrund einer Unwetterwarnung auch sofort in unsere Ferienwohnung. Auf dem Gelände stand ein Haus, neu, schick, irgendwie gemütlich wirkend. Wir gingen darauf zu. Und steuerten dann ein daneben stehendes altes Haus an. Dunkelgrauer Putz, dunkle Fenster, wenig einladend. Aber gut, von innen muss ja nicht von außen sein. Muss es wirklich nicht. Geht ja schöner. Geht aber auch schlechter. Wir tasteten uns Raum für Raum vor und entdeckten in jedem Raum auf Anhieb zehn Spinnen, Staub, Spinnweben und ordentlich Sand auf dem Fußboden. Witzig, stand doch an der Haustür "Straßenschuhe bitte ausziehen". Kurze Zeit später stellte ich fest, dass die wenigsten dort Straßenschuhe trugen. Barfuß war die Devise. Am schlimmsten waren für mich aber die vielen Spinnen. Auf diese Viecher - nützlich oder nicht - komme ich gar nicht klar. Da mein Bruder vegan und mit einem anderen Bewusstsein lebt und auch sonst eher den Gedanken hegt, dass man ruhig alle leben lassen kann, durften keine Spinnen entfernt werden. Nicht mal eine dicke, fette, schwarze im "Master Bathroom". Glaubt mir... Ich wäre nicht ein einziges Mal duschen gegangen, wenn mein Mann sie nicht heldenhaft um die Ecke gebracht hätte. Ich muss dazu sagen, dass er selbst seit seiner Kindheit ein Spinnenhasser ist. Und hätte ich gestunken wie ein Iltis, Puma und Skunk... Ich hätte dieses Bad im Leben nicht betreten.



Zu allem Überfluss gab es kein Netz. Ich starrte auf mein Handy und kotzte innerlich ab. Nun könnte man meinen, dass ich süchtig bin, auf Entzug, der Situation absolut nicht gewachsen. Doch dem ist nicht so. Ich bin allerdings zweifache Mama, immer in Angst, dass sich eines meiner Blumenkinder verletzten könnte. Und dann hätte ich da gestanden. Es gab auf dem ganzen Grundstück ein Telefon. Im Büro. Was immer unbesetzt war. Für mich eine beklemmende Situation.

Noch kurz zum Handydilemma: Da meine quasi-Schwiegereltern dort in der Nähe wohnen, wollten wir sie sonntags auf dem Weg nach Hause besuchen und ein Käffchen trinken. Der Lieblingsmann hatte vereinbart, dass er am Samstag eine kurze Meldung abgibt. Dafür bin ich mit ihm in den nächsten Ort gefahren. Wir sind zum Telefonieren mit dem Auto aus dem Dschungel in die nächste Ortschaft, nur um jemandem sagen zu können, dass wir einen Tag später definitiv mit den und den Leuten auftauchen. Wie hat man das früher gemacht?

Ach ja, ich wartete außerdem auf eine Nachricht von einer meiner liebsten Freundinnen. Diese saß nämlich hochschwanger (und bereits über dem Termin) auf ihr Baby wartend zuhause. Und ich war so nervös. Aber gut, das ist ein anderes Thema.


Auf dem Grundstück gab es ein Ziegengehege, alles sehr naturbelassen und in meinen Augen etwas ungepflegt. Aber Natur war eben für die Leute dort das absolute Nonplusultra. Zwei Hasen hatten ebenfalls ihre Behausung gefunden. Der Pfuhl beherbergte unzählige Kleinsttiere und Pflanzen. Wald und Wasser. Definitiv nicht mehr meins. Das war als Kind anders, da tigerte ich stundenlang mit meinen Großeltern durch den Busch. Heute kann ich nur noch an Mücken und Zecken denken, beide nicht ungefährlich. Die Minimadame und ich reagieren sehr allergisch auf die Stechbiester. Und die kleinen schwarzen Blutsauger sind mir auch nicht geheuer. Außerdem möchte ich meinen Lebenssaft doch gern für mich behalten. Ich hatte zwar Spray eingepackt, aber die Minimadame hatte trotzdem eine Zecke in der Kniekehle zu hängen. Ich hätte ungelogen heulen können. Mir stiegen sofort unzählige Gedanken in den Kopf und ich schaute mir alle paar Minuten die Stelle an, machte auch sofort ein Foto und notierte mir Datum und Uhrzeit. Für manche vielleicht vollkommen übertrieben. Für mich ist das echt ein Horror. Glücklicherweise wurde auch im Nachhinein nichts rot oder auffällig.

Neben den "ortsansässigen" Tieren und den fliegenden bzw. krabbelnden Plagegeistern gab es auch noch weiteres Getier zu bestaunen. Wir konnten unseren Kindern Frösche, Blindschleichen, Katzen und einen Igel zeigen. Allerdings erwischten wir letzteren in einer sehr unschönen Situation, hatte er sich doch zum Sterben in eine stille Ecke verkrochen. Da ich aus dem Thema meinen Kindern gegenüber kein Drama mache, habe ich der Minimadame ganz normal und sachlich erklärt, was da vor sich ging. Und es war für sie ok.



Natürlich haben wir auch schöne Momente gehabt. Ein Teil der Familie war baden. Ich hingegen passte mit meiner derzeitigen Figur nicht in meinen Badeanzug, was mich wirklich erstaunte. Denn mit 87 kg habe ich letztes Jahr zum Babyschwimmen hervorragend hinein gepasst. Aber gut, Kalorien sind kleine fiese Tierchen, die nachts die Kleidung enger machen. Vielleicht waren die auch an dem Badeanzug zugange.


Beim Baden hatte der Minimister wohl den meisten Spaß. Jedenfalls wenn man am Ende den Schmutzigkeitsgrad der Kleidung ausgewertet hätte. *PlanschPlansch* und *schwupps* saß der Poppes im Matsch. Egal, er fand es lustig.





Absolutes Highlight war eine Schnitzeljagd. In meiner Familie gab es übrigens die Diskussion, wie es denn nun wirklich heißt: Schnitzeljagd oder Schnipseljagd. Irgendwie scheiden sich da wohl die Geister. Die einen reden von Papierschnipseln, auf denen sich Aufgaben und Rätsel finden. Die anderen begründen es so, dass man Schnitzel auch zu kleinen Fetzen oder Teilen sagt, wie beispielsweise beim Holzschnitz. Wenn ihr es wisst, dann schreibt doch einfach mal die Antwort als Kommentar unter den Post.

Warten auf den Start der Schnitzeljagd.

Unsere Mama hatte sich ganz wundervolle Aufgaben ausgedacht. Es war wirklich für jeden etwas dabei und manchmal standen wir einer echten Herausforderung gegenüber. Gemeinsam mit meiner Schwester ging sie vor, um den Weg mit ihren Rätseln zu pflastern und am Ende den Schatz zu verstecken. Wir folgten nach einer halben Stunde.

Ich habe nicht allein fotografiert. Mein Bruder hat ebenfalls fleißig Bilder geschossen. Allerdings hatte ich bisher keine Gelegenheit, mir diese irgendwie zu besorgen. Deswegen kann ich euch nur einen wirklich winzigen Ausschnitt zeigen.

Aufgabe.

Lösung.


Am Sonntag packten wir dann alle unsere Sachen und machten uns nach dem Mittagessen auf den Weg zu meinen quasi-Schwiegereltern.

Dort konnten wir noch ein wenig entspannen und das Wetter genießen. Sofern sich die Sonne zwischen den Regenschauern blicken ließ.


Mein Fazit von diesem Wochenende:

Ich bin immer wieder gern mit meiner Familie zusammen. Aber das nächste Mal dann doch wieder in etwas vertrauteren und mir angenehmeren Gefilden.