Montag, 17. Februar 2014

Blogparade: Nicht ohne meine Hebamme!

Es gibt derzeit ein Thema, welches durch soziale Netzwerke, Blogs, Praxen, Krankenhäuser und die Medien fließt. Man wird davon regelrecht überrannt und kann eigentlich nicht daran vorbei.

Man sollte nicht daran vorbei.

Man DARF NICHT daran vorbei.

Es geht um unsere Hebammen und deren drohendes Aus. Glorreiche Köpfe haben sich mal wieder ein riesiges Ei ins Nest gesetzt und einfach mal gedacht 'Streichen wir den Hebammen doch ab Sommer 2015 die Haftpflichtversicherung!' Was das für Wellen nach sich ziehen wird... Ich schwöre euch, dass sich da niemand Gedanken gemacht hat.

Schreckliche Folgen.

Für Schwangere.
Für frischgebackene Eltern.
Für Neugeborene.
Für die Hebammen selbst.

Heutzutage ist man ja schwachsinnige Entscheidungen gewohnt, aber das geht nun wirklich zu weit und ist definitiv nicht tragbar. Auch ich habe Kinder. Auch ich war froh über jede Hebamme, die sich um mich gekümmert hat. Auch ich würde nicht ohne (m)eine Hebamme das Abenteuer Schwangerschaft und Geburt erleben wollen.

Warum ich darüber schreibe? Nur wenn wir zeigen, wie wichtig die Arbeit der Hebammen ist, können wir eventuell ein Umdenken auslösen. Deshalb möchte ich euch an meiner Geschichte teilhaben lassen. In der Hoffnung, dass sie sich verbreitet und wachrüttelt, aufmerksam macht und zum Nachdenken anregt. Sie soll zeigen, wie unendlich wichtig eine Hebamme ist. Für die Schwangere. Für die Mama. Für das Kind. Aber auch für den Papa und die Geschwisterkinder. Für alle, die an einer Schwangerschaft beteiligt sind und die den Weg zu einem Baby begleiten.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen.

***


Es war der 09.11.2009, ein Freitag. Dieser Tag veränderte mein Leben, denn am Morgen hielt ich einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Nach wenigen Monaten des Hibbelns. Und doch ENDLICH!

Prompt waren tausend Fragen in meinem Kopf. Was würde jetzt passieren? Was kommt da auf mich zu? Wie verändert sich mein Körper? Und wie entwickelt sich mein Baby? Was ist zu tun und zu beachten? Welche Untersuchungen stehen an? Wie läuft all das ab? Wie bereitete man sich am besten vor?

Mein Frauenarzt handhabt das so: Er macht den Ultraschall, eine Hebamme macht in der Praxis die ganze Vorsorge. Ich liebte diese Art der Aufteilung. Das gab der Schwangerschaft nicht diesen sonst so typischen medizinischen Touch. Schließlich war ich ja nicht krank, sondern "nur" schwanger. Die normalste Sache der Welt. Und dennoch unglaublich aufregend. Ich wollte diese Zeit nicht ohne professionelle Unterstützung durchleben.

Bei der Vorsorge war alles super. Die Hebamme war toll, lieb und unglaublich einfühlsam, witzig und verständnisvoll. Ich konnte meine Wehwehchen mitteilen, lachen und auch mal weinen, wenn gar nichts mehr ging. Mir wurde alles erklärt, ich konnte Fragen stellen und damit die Luft durchlöchern. Auf alles gab es eine Antwort oder einen Tipp. Auch die Gewissheit, dass ich jederzeit hätte anrufen können, beruhigte mich ungemein.

Ich fühlte mich wohl. Besser hätte die Vorsorge nicht ablaufen können.

Dann kam der Moment, wo ich das erste Mal auf eine Hebamme aus dem Krankenhaus traf. Ich wollte es nicht. Was nicht an der Hebamme lag. Es waren viel mehr die Umstände, die mir damals Angst machten. Ich war allein zuhause, als mich plötzlich ein merkwürdiges Gefühl überkam. Mein Bauch war hart und fühlte sich wie ein großer Stein an. Das Atmen fiel mir immer schwerer und panisch rief ich meine Mama und den Lieblingsmann an. Langsam begann ein Ziehen, welches mit der Zeit immer stärker wurde. Ich wusste nicht, was es war. Aber ich wusste, dass es nicht gut war und so nicht sein durfte. Nachdem der Lieblingsmann da war, fuhren wir umgehend in die Notaufnahme, nur wenige Meter von unserer damaligen Wohnung entfernt. Wir standen vor der Tür, klingelten. Niemand reagierte. Die Schmerzen wurden schlimmer und ich fing an, etwas zu veratmen, was ich nicht einordnen konnte. Endlich kam eine Schwester, stellte zwei bis drei Fragen. Sie wollte auch wissen, ob ich schon mit meiner Hebamme telefoniert hätte. Ich schaute sie mit großen Augen an und erklärte ihr, dass ich noch nicht mal einen Geburtsvorbereitungskurs besucht habe, denn ich hätte schließlich noch acht Wochen Zeit. In diesem Moment fiel ihr die Kinnlade runter und sie wählte umgehend die Nummer der diensthabenden Hebamme. Bis diese dann im Krankenhaus eintraf, vergingen ein paar Minuten.

Da stand sie. Die Frau, die mich betreuen und vielleicht sogar in ein anderes Krankenhaus verlegen lassen würde (unseres hat keine Frühchenstation). Die Frau, die mein Kind vielleicht an diesem Abend zur Welt bringen würde. Die Frau, die mit ihrer Art jede Angst von mir nahm und mir ein so unglaublich sicheres Gefühl vermittelte. Sie war die ganze Zeit über ruhig, aber bestimmt. Schließlich durften wir in nichts Zeit verlieren. Weder bei den Untersuchungen, noch mein Mann beim Packen der Tasche, für die er von der Hebamme mit ganz klaren Anweisungen nach Hause geschickt wurde. Als dann meine Mama auftauchte und mir erzählte, dass mich diese Frau, die sich da gerade um meinen Bauch und mein Baby kümmerte, auf die Welt gebracht hatte, war alles vollkommen gut. Ich wusste, dass sie meinem Baby und mir helfen würde. Ich wusste, dass es in diesem Moment niemand hätte besser machen können.


Unsere Minimadame erblickte nicht an diesem Abend das Licht der Welt. Ich musste zwei Wochen im Krankenhaus bleiben, strenge Bettruhe. Und immer wieder stand ich kurz vor einer Verlegung, wenn die Kleine dann doch wieder einen Anlauf nahm. In diesen zwei Wochen lernte ich alle Beleghebammen unseres Krankenhauses kennen. Ich fühlte mich bei allen wohl und hätte jeder von ihnen ohne Zögern mein Baby anvertraut. Sie nahmen mir jede Angst, bauten mich auf und erklärten mir immer wieder, was meinem Baby noch fehlt und was noch unbedingt abgewartet werden muss. Sie hielten meine Hand, wenn es mir schlecht ging und doch mal die Tränen kullerten. Bis zu dem Tag, an dem ich entlassen wurde.

Da sich unsere Tochter doch noch Zeit ließ, konnte ich am Geburtsvorbereitungskurs teilnehmen. Geleitet von einer der Beleghebammen aus dem Krankenhaus. Eine ganz wundervolle Erfahrung, die ich auch in der zweiten Schwangerschaft unbedingt mitnehmen wollte.

Und dann war er da: Der große Tag, an dem unser erstes Wunder die große Reise namens Leben beginnen sollte. Ich hatte keine Angst, denn ich war bestens vorbereitet. Zumindest fühlte ich mich so. Ich wusste theoretisch, was bei einer Geburt passieren wird. Für den emotionalen Teil waren meine Mama, der Lieblingsmann und die Hebamme da. Etwas später stieß ein Arzt dazu, aber nur wegen der Glocke, die am Ende nötig war. Die uns begleitende Hebamme wurde zu MEINER Hebamme, ich konnte mich voll und ganz auf sie einlassen und vertraute ihr blind. Sie leitete mich durch die Geburt, baute mich auf, hat sogar mein Schimpfen und Fluchen ertragen. Als unsere Minimadame dann da war, gab sie uns alle Zeit der Welt, um dieses kleine Bündel Mensch zu beschnuppern. Sie zeigte mir das Anlegen, die richtige Benutzung eines Stillhütchens, half mir beim Duschen und sagte mir immer wieder, wie gut ich alles gemacht habe. Die ganze Zeit herrschte eine absolut wunderbare Stimmung im Kreißsaal. Wir lachten, ich schrie, ich weinte, wir lachten wieder und am Ende lachten wir sogar mit dem Chefarzt, der auch noch freiwillig mein Fruchtwasser vom Boden wischte. Es war aufgrund der Maße unserer Tochter eine nicht ganz einfache Geburt, aber für mich absolut traumhaft und unvergleichlich.

Noch im Krankenhaus wählte ich eine der Beleghebammen für die Nachsorge. Es war nicht die Hebamme, die uns bei der Geburt begleitet hat. Aber das war so gewollt und vollkommen richtig. Mir wurde bei der Nachsorge das richtige Baden meines Babys gezeigt. Die Kleine wurde gewogen und gemessen. Wir brauchten etwas mehr Hilfe, denn der Start war nicht ganz einfach. Unsere Tochter schlief sehr viel, war vielleicht zwei Stunden am Tag wach, die nicht mal am Stück. Ich musste ihr die Milch regelrecht einflößen (das Stillen klappte aufgrund mehrerer Probleme nicht, was aber für mich absolut ok war). Sie nahm anfangs stark ab und ich machte mir als Neumama natürlich andauernd Sorgen. Mich quälte die ersten Wochen auch ein stark ausgeprägter Baby Blues, von dem ich zuvor noch nie gehört hatte. Auch hier nahm mir meine Hebamme sämtliche Ängste und Zweifel und ich durfte mal so richtig heulen, ohne mich danach schlecht zu fühlen. Ich fühlte mich unglaublich gut aufgehoben und betreut.


Am 06.12.2011 sagte mir dann ein digitaler Schwangerschaftstest, dass ich unser zweites Wunder unter dem Herzen trug. Und mir war sofort klar, dass ich nicht auf Hebammen verzichten wollte. Die Vorsorge fand wieder in der Praxis statt, bei der selben Hebamme wie schon in der ersten Schwangerschaft. Es war ein tolles Gefühl, zu jemandem zu kommen, der einen bereits beim ersten Mal begleitet hatte. Der alles wusste, jedes Wehwehchen, jede Komplikation, jede Besonderheit. Der Minimister machte es mir von Beginn an nicht einfach. Es gab ein paar Probleme am Anfang und auch die körperlichen Beeinträchtigungen waren viel größer und teilweise unerträglich. Auch er wollte anfangs etwas früher raus, so dass wir vier Wochen vor Termin das erste Mal mit einer Beleghebamme aus dem Krankenhaus in Kontakt kamen. Da sich die vier Hebammen nicht geändert hatten, kannte ich bereits alles und ging total entspannt an die ganze Sache ran. Am Ende kam unser Sohn einen Tag vor dem Termin, auf die Welt geholt von der Frau, die auch schon die Geburt unserer Tochter begleitete. Was für mich einfach wunderbar war, weil ich direkt wieder in dieses Vertrauensverhältnis gefunden hatte und wusste, wie sie während einer Geburt handelt und wie sie mit mir umgeht. Die Geburt war grauenvoll, im Vergleich zur ersten eine eher unschöne Erinnerung. Und auch unmittelbar danach lief nicht alles glatt. Aber meine Hebamme war da und kümmerte sich rührend um meinen Lieblingsmann und den Kleinen, während ich im OP versorgt wurde. Als ich dann aus dem OP kam, schickte sie den Lieblingsmann nach Hause und gab mir mit dem Minimister alle Zeit der Welt. Ich hatte vorher nur wenige Minuten mit ihm, konnte ihn währenddessen nur flüchtig betrachten. Dafür hatte ich danach drei Stunden mit ihm allein im Kreißsaal. Meine Hebamme wusste, wie wichtig diese Momente für unsere Bindung waren. Wie immens wichtig es für mich, um die Geburt verarbeiten zu können. Und wie wertvoll diese positiven Erinnerungen bei der Verarbeitung sein würden. Sie zog sich im richtigen Augenblick zurück und war da, wenn ich etwas hatte.

Zur Nachsorge hatte ich diesmal eine Hebamme, die weder in unserem Krankenhaus, noch in einer unserer Gyn-Praxen arbeitete. Ich bin mit ihr an die selben Schulen gegangen, selber Jahrgang. Man kannte sich und die Betreuung war grandios. Durch sie habe ich auch das erste Mal von der Problematik mit der Versicherung erfahren. Wir haben uns darüber unterhalten und ich war fassungslos, verstand da erstmals das ganze Ausmaß dieser völlig bescheuerten Entscheidung.

***


Fazit:

Ich habe zwei Kinder bekommen, mit mehreren Hebammen an meiner Seite. Die Geburten verliefen ohne Kaiserschnitt, aber nicht ohne ein paar kleinere und größere Komplikationen. Und nicht ohne Hebamme. Denn ohne sie hätte ich es nicht geschafft. Wenn ich mir vorstelle, ich hätte all das ohne das Wissen und die Fähigkeiten einer Hebamme durchleben müssen... Nein, dies liegt außerhalb meiner Vorstellungskraft. Und sind wir mal ehrlich: Den meisten selbsterkorenen Halbgöttern in Weiß fehlt das notwendige Einfühlungsvermögen. Eine Geburt - für eine Schwangere DIE GEBURT - darf einfach nicht etwas medizinisches, finanzielles, kaltes und steriles werden. Eine Geburt ist emotional, prägend, bindend. Für den Rest eines Lebens. Für den Rest mehrerer Leben.

Ja, es sind nicht alle Ärzte kalt und herzlos oder nüchtern und sachlich. Und es gibt mit Sicherheit auch Hebammen, mit denen man nicht den so wichtigen gemeinsamen Nenner findet. Aber mit etwas Glück hat man die Wahl. Man sollte jedenfalls immer die Wahl haben. Dies ist allerdings nur möglich, wenn es auch weiterhin ausreichend Hebammen gibt und nicht eine nach dem anderen aufgrund der politisch geschaffenen Situation das Handtuch werfen muss.

Hebammen sind wichtig. Vor, während und nach der Geburt. Sie sind so wichtig wie die Unterstützung des Partners, des Arztes, der Familie, der Freunde. Hebammen sind ein wesentlicher Bestandteil einer Schwangerschaft, Geburt und von allem, was danach so auf einen zukommt. Sie nehmen Ängste, geben Tipps, helfen, geben ihr Wissen an uns weiter, beruhigen...

Hebammen sind unverzichtbar.

Hebammen sind ein MUSS.

Das darf sich nicht ändern.
Nicht heute.
Nicht morgen.
NIEMALS.

NIEMALS OHNE MEINE HEBAMME!!!


Es gibt inzwischen die verschiedensten Möglichkeiten, unsere Hebammen zu unterstützen. Auf Facebook gibt es Gruppen, denen man sich anschließen kann. Petitionen machen ihre Runde. Wenn auch ihr helfen wollt, dann werdet ihr mit Sicherheit fündig.





(Dieser Post wurde nachträglich nochmals bearbeitet.)

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