Donnerstag, 24. Oktober 2013

Reaktionen...

...die mich überwältigen...

Damit habe ich wirklich nicht gerechnet. Ihr seid grandios.

Ich möchte mich ganz herzlich bei euch bedanken, würde am liebsten jeden einzelnen von euch umarmen. Seit dem Post kamen Mails, Kommentare bei Facebook und auf dem Blog, Anrufe... Ich wusste ehrlich nicht, wie mir geschah und es überforderte mich etwas. Im positiven Sinne.

Es tut so gut und ich fühle mich super. Auch etwas bestärkt von den vielen Worten, den lieben Grüßen und Wünschen.

Bleibt mir nur noch eines zu sagen:

Ich wünsche jedem von euch das Beste und Glück, wie es auch immer aussehen mag.

Montag, 21. Oktober 2013

Eine Herzenssache

Ich habe ein gutes Leben.

Einen Partner.
Zwei wunderbare und gesunde Kinder.
116 qm Wohntraum.
Einen gut bezahlten und recht sicheren Job.

Und dennoch poste ich heute über etwas, was sich mir leider immer öfter als Tabuthema offenbarte.

Die zerbrechliche Mama.

Ich schreibe darüber, dass ich es bin und eigentlich nicht sein darf. Wie mir immer öfter dieses Gefühl vermittelt wurde und sich Druck aufbaute, der mich letzten Endes in die Knie gezwungen hat. Ich schreibe darüber, um etwas in Erinnerung zu rufen, was meiner Meinung nach längst verloren gegangen ist:

Mamas sind Menschen.
Keine Maschinen.

...

Beginnen möchte ich mit einem Outing.

Ich bin überfordert.

Nicht mit den Kindern. Viel mehr mit der Tatsache, dass man dauernd funktionieren muss und scheinbar alle erwarten, dass man perfekt ist. Oder sind das die eigenen Vorstellungen des Mamaseins, die einen so an den Rande des Wahnsinns treiben?

Bei mir ist es vermutlich beides. Zum Einen sind in den vergangenen zwei Jahren viele Dinge vorgefallen, die mich und meine Nerven wirklich gefordert haben und sich dann noch um Haushalt und Kinder zu kümmern, brachte mich sehr schnell an das Ende meiner Kräfte. Ich hatte nie wirklich Pause, konnte daher nicht auftanken. Weder physisch, noch psychisch. Es hat mich so sehr ausgelaugt, dass ich oft weinend und verzweifelt in meinem Kopf nach einem Ausweg suchte. Und da ist der Haken... Mein Kopf. Ich bin eine chaotische Perfektionistin, die ungern die Kontrolle abgibt und liebend gern alles selbst in die Hand nimmt. Ich bin sehr gern durchorganisiert und plane lange im Voraus. Spontanität wirft mich oftmals aus der Bahn und bringt mein ganzes, so mühsam erdachtes, Konzept durcheinander. Läuft etwas anders, als ich es ursprünglich plante, dann brauche ich ein paar Stunden, um mich neu zu finden. Ich denke viel nach, sehr viel. Und ich halse mir viel auf. Hier eine Anfrage einer Freundin, dort eine Einladung und da eine Bitte... Ich kann sehr schlecht 'Nein' sagen. Aber ich arbeite daran.

Nun kam es also, dass ich des Öfteren in Tränen ausbrach, weil mich die gerade herrschende Situation bedrückte und ich nach Luft schnappte. In diesem Falle rede ich gern mit Freunden oder Familie. Ab und an ließ es sich nicht vermeiden, dass auch andere außenstehende Personen von meinen Problemen Wind bekamen und ihre Meinung lauthals öffentlich machten.

Ich bin für jeden Rat dankbar, keine Frage. Aber inzwischen bin ich sehr zurückhaltend geworden, was das Fragen oder Hilfesuchen angeht. Reaktionen wie "Das haben wir alle durch, ist doch nicht schlimm" oder "Nun hab dich mal nicht so, alles halb so wild", aber auch "Du wolltest es doch so"... Ja, sie haben mich verunsichert und teilweise auch stark verletzt.

In den vergangenen Wochen sah es bei mir so aus, dass ich wieder sehr gefordert wurde. Das dauernde Kranksein des Minimisters und die ständigen Gänge zum Arzt, schlaflose Nächte und Schreiattacken haben an mir genagt und mir setzte besonders zu, dass ich meinem Sohn nicht helfen konnte. Ich merkte immer mehr, dass mir meine innere Ruhe fehlte. Die Ruhe, die doch so wichtig war, um gut reagieren und ihn mit seinen Wehwehchen auffangen zu können. Mir fiel es zunehmend schwerer, mich auf meine so geliebten Blumenkinder einzulassen, mich mit ihnen zu beschäftigen, mich um sie zu kümmern.

Macht es mir Angst? Ja. Und es ist auch nicht einfach, das alles zuzugeben. Denn es fühlt sich nach Versagen an.

"Mensch, du musst doch durchhalten." Das hörte ich neulich. Muss ich das? Muss ich immer tapfer sein? Muss ich immer alles locker meistern und jede Hürde mit Leichtigkeit nehmen? Muss ich allen Frust, die Angst und Sorgen mit mir allein ausmachen?

Nein.

Und NEIN, ich habe nicht versagt. Ich bin lediglich an meine Grenze gekommen. Falsch. Eigentlich bin ich schon weit darüber hinaus. Überschritten habe ich sie vermutlich schon im letzten Jahr und mich immer von einem Tag zum nächsten gehangelt. Doch nun ist einfach ein Punkt erreicht, wo es eben nicht mehr geht, wo ich nicht mehr so tun kann, als sei alles nur eine Kleinigkeit und bald erledigt. Ich bin eben zerbrechlich. Ich bin ein Mensch. Keine Maschine. Die Arbeit hätte ich in diesem Zustand nicht voll aufnehmen dürfen, aber ich habe es versucht und stieg vor zwei Monaten wieder mit meiner vollen Stundenanzahl ein. Nach fast zwei Jahren Pause. Und ausgelaugt, wie ich auch zu diesem Zeitpunkt schon war. Nun habe ich mich dazu entschieden, meine Stunden zu reduzieren und mir so einen freien Tag in der Woche zu schaffen. Seit ich diese Entscheidung getroffen habe, geht es mir gut. Ich habe meine innere Ruhe ein Stück mehr zurück. Ein Teil der täglichen Belastung ist von mir abgefallen.

Fakt ist doch, dass man sich nicht schämen muss. Ich habe es eben nicht geschafft, all meine Aufgaben unter einen Hut zu bekommen. Ich bin zu sehr auf der Strecke geblieben. Dafür habe ich mir nun meinen ganz eigenen Rettungsplan zusammen gestellt. Und ich lasse mir auch von niemandem mehr sagen, dass ich durchhalten MUSS. Denn das muss ich nicht. Nirgends steht geschrieben, dass man als Mama immer gut drauf sein muss, immer den Kopf oben zu tragen hat und Tränen zurück zu halten sind. Wenn mir danach ist, dann weine ich. Wichtig ist doch am Ende, dass ich mich nicht aufgebe.

...

Warum denke ich, dass das nach wie vor ein Tabuthema ist?

Ich persönlich finde, dass man zu schnell abgestempelt wird, wenn man aus seiner Not kein Geheimnis macht. Es gibt so viele Frauen, die ihre Probleme mit sich allein austragen, weil sie sich einfach nicht trauen und Angst vor den Reaktionen haben. Ja, man hat seine Kinder gewollt (im Normalfall) und ja, man liebt sie. Aber dennoch ist man manchmal verzweifelt, am Ende der Kraft und des Wissens. Und manchmal wirkt man eben überfordert, ist es vielleicht auch. Und es ist ok. Denn wir funktionieren nicht nach einem bestimmten Schema F, welches fehlerfrei abgerufen wird und ohne große Pannen durch den Tag kommt. Wir sind emotional, das macht uns doch so besonders. Aber leider wird nach wie vor zu selten darüber gesprochen.

Liebe Mamas,

der Haushalt kann auch mal liegen bleiben. Es muss nicht überall blitzen und glänzen. Niemand möchte bei euch vom Boden essen, außer eventuelle Haustiere oder vielleicht die Kinder. Es muss auch nicht jeden Tag ein superdupermegatolles Beschäftigungsprogramm aufgefahren werden. Sagt auch mal 'Nein' und nehmt euch eine kleine Auszeit. Und weint, wenn euch danach ist. Lasst euch von niemandem sagen, dass ihr immer stark sein müsst. Das sind wir oft genug und zwar nicht nur für uns. Denn alles, was wir tun, tun wir immer auch für unsere Kinder. Die haben nichts von einer ausgelaugten Mama, die am absoluten Minimum läuft. Das habe ich gemerkt. Warum muss die ganze Verantwortung auf euren Schultern lasten? Das verlangt niemand. Fragt nach Hilfe, wenn ihr sie braucht. Es macht euch nicht zu einer schlechten Mama, wenn ihr es mal nicht alleine schafft.

Ich bin gerade dabei, mein Leben etwas umzukrempeln und die erste Entscheidung fühlt sich gut an. Was sich gut anfühlt, ist in der Regel auch richtig. Ich höre einfach wieder öfter auf mein Innerstes. Und ich passe auf mich auf.

Auf meinen Körper.

Auf meine innere Ruhe.

...

Ich danke euch für eure Geduld beim Lesen.

Montag, 7. Oktober 2013

Wunderblume Goes Karlshagen

oder

Eine Familie geht auf Reisen

...


Oje, wo fange ich an? Mitten im Geschehen oder doch etwas ruhiger, dafür weit ausgeholt? Ok, ich habe einen Anfang.

Es ist der 25.09.2013, die Sonne scheint und die Herbsttemperaturen meinen es gut mit uns. Nach meinem Feierabend holen wir die Kinder aus der KiTa und überraschen die Minimadame mit unserem Vorhaben, Kastanien sammeln zu gehen. Wir haben Spaß, gute Laune und binnen weniger Minuten einen Beutel voll Kastanien und Eicheln. Irgendwann am Abend rief mich mein Lebensgefährte und zeigte mir eine dicke Beule an der Stirn der Minimadame. Die Frage, wer sie da gehauen hätte, konnte ich sofort abwürgen. Es handelte sich eindeutig um einen Mückenstich. In diesem Moment wusste ich, was auf uns zukommen würde, hoffte aber noch, dass meine Befürchtungen nicht wahr werden würden. Donnerstag war ich nachmittags mit den Kindern spazieren und irgendwie sah unsere Tochter fremd für mich aus. Die Männerlogik meines Lebensgefährten versicherte mir noch am Morgen, dass von der Beule nichts mehr zu sehen sei. Kein Wunder, wenn die ganze Stirn zugeschwollen ist. Da kann von einer Beule nichts mehr zu erkennen sein. Nach unserem Spaziergang gab ich ihr sofort ihr Antiallergikum. Leider zu spät. Sie lag abends gerade mal eine Stunde im Bett, als sie zu mir aufs Sofa kam und meinte, dass es ihr nicht gut gehen würde. Ihr würde das Gesicht so doll wehtun. Mit dem Drücken des Lichtschalters offenbarte sich mir dann das gesamte Ausmaß. Eine kleine Mücke und mein Kind hätte die Hauptrolle in jedem Alien-Film bekommen können. Das linke Auge ließ sich nur schwer öffnen, die Nase war angeschwollen und von der linken Wange waren auch nur noch grobe Züge zu erkennen. Ich rief meinen Lebensgefährten auf Arbeit an, drückte unserer lieben Nachbarin das Babyphone und einen Schlüssel in die Hand, schnappte mir mein Kind und fuhr ohne Umweg ins Krankenhaus. Ihr Gesicht war glühend heiß und knüppelhart. Zum Glück kamen wir schnell dran und der Arzt war wirklich klasse. Sie bekam ein Cortison-Zäpfchen und wir durften wieder nach Hause, wo sie auch sofort einschlief. Am nächsten Tag sollte ich noch einmal bei der Kinderärztin vorstellig werden. Das dortige Dilemma erspare ich euch lieber. Am Sonntag war von dem fiesen Mückenangriff nichts mehr zu sehen.

Ja, sowas braucht man vor einem Urlaub, damit sich dieser auch so richtig lohnt.

Das Wochenende verbrachte ich dann hauptsächlich mit Waschmaschinenladungen, Trocknergängen, Packen und purem Wahnsinn. Irgendwie wird das von Urlaub zu Urlaub schlimmer. Die Klamottenberge werden immer höher. Der Krempel, der UNBEDINGT - warum auch immer - mit muss, wird immer mehr. Und meine Nerven werden immer dünner. Nee, was ist das ein Stress. Also nach den Vorbereitungen bin ich immer reif für den Urlaub. Aber sowas von...

In der Nacht von Sonntag zu Montag überraschten unsere Kinder uns auch noch mit Fieber. Der Minimister war eh mal wieder krank (Oder immer noch?) und die Minimadame hatte sich wohl bei ihm angesteckt. Unser Plan: "Wir fahren trotzdem!" Schließlich hatten wir uns auf die paar Tage Ostsee schon gefreut und die Luft tut gut.


Montag.

Aufbruch.

Endlich.

Nachdem ich alles an Gepäck und Lebensmitteln im Auto verstaut hatte - bei uns sind die Rollen da ganz klar verteilt - warteten wir nur noch auf meine Mama und meine kleine Schwester. Dann konnte es losgehen. Die Kinder, lieb wie sie eben sind *hust*, schliefen sehr schnell ein. Mein Lebensgefährte allerdings auch. So hatte ich aber wenigstens etwas Ruhe und konnte mich mal beim Fahren von dem Packstress erholen. Trotz guter Vorbereitungen meinerseits, hatte ich das anhaltende Gefühl, etwas vergessen zu haben. Aber das ist wohl normal. Nach knapp drei Stunden kamen wir dann an unserem Haus an und es war so schön. Die Zimmerverteilung erfolgte recht zügig und problemlos, das Auto war irgendwie schneller aus- als eingeräumt und der Kinderwagen stand sofort zur ersten Ausfahrt bereit. Ein schnelles Mittagessen stillte den Hunger und nachmittags gingen wir dann das erste Mal zum Strand.


Abends trübte dann ein fiebernder Minimister die Stimmung und auch der Herr Papa machte schlapp. Dienstag fuhren wir zur Sicherheit zu einem Kinderarzt. Mittwoch fieberte dann die Minimadame, dem Papa ging es besser, jedoch klemmte er sich beim Duschen einen Nerv in der Schulter ein. Kurzum: Alle machten krank, außer Mama. Was nicht unbedingt entspannend ist. Aber ich wollte mir meinen Urlaub nicht vermiesen lassen.


Wir gingen immer wieder spazieren, waren stundenlang an der frischen Luft und am Wasser, auf einem wundervollen Spielplatz und bei einer Sandmann-Ausstellung. An zwei Tagen schaute ich mir morgens den Sonnenaufgang an und genoss die Ruhe. Immer bewaffnet mit meiner Canon.

Die fünf Tage waren wettertechnisch unschlagbar. Wir hatten so ein Glück. Sonne satt und kaum Wolken. Es hätte nicht besser sein können.



Der absolute Höhepunkt und krönende Abschluss: Ein Inselfeuerwerk am Donnerstag. Die Feuerwerke schlängelten sich an der Usedomer Küste entlang, 42 km in 90 Minuten. Einfach traumhaft. Atemberaubend. Unglaublich schön. Ich bin ja für sowas immer voll zu haben und bekomme Gänsehaut plus Augenwasser. Entgegen meiner Erwartungen haben die Blumenkinder das ganze Geknalle richtig gut verkraftet. Die Minimadame schaute fasziniert an den Himmel und der Minimister schlief ein. Vielleicht sollte ich auch mal Raketen und Glitzerdinger in die Lüfte schießen, damit hier Ruhe einkehrt.


Das war ein Urlaubsende, wie man es sich nur wünschen konnte.

Am Freitag traten wir dann wieder unsere Heimreise an. Nicht wirklich erholt und entspannt, aber mit einigen Fotos mehr im Gepäck und der Gewissheit, dass ich nächstes Jahr im Sommer wieder nach Karlshagen fahren werde.


Zuhaue erwartete mich dann das zweite Mal Chaos, bestehend aus riesigen Bergen Schmutzwäsche und einem Haushalt, der sich innerhalb kürzester Zeit nach unserer Ankunft aus mir vollkommen unerfindlichen Gründen in ein Schlachtfeld verwandelte. Dafür habe ich mir abends ganz spontan eine Massage bei meiner liebsten Lieblingsfotografin gegönnt. Hach, ich bin unserem Babysitter so dankbar dafür, dass sie sofort zu mir kam.

Heute ist Montag. Eigentlich sollte ich gut erholt in meine Arbeitswoche starten. Aber... Der Minimister ist nach wie vor krank und mich hat es nun auch erwischt. Ich werde mich jetzt auf mein Sofa begeben und Tee trinken.

Macht euch einen schönen Abend.